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Horst Wagner, 'Mütter'

vom 26.09.2011 bis 23.12.2011

Kunst- und Altertums-, Schifffahrtsmuseum – in dem historischen Gebäude der Societät maritim in der August-Bebel-Straße 1 wurden in den letzten über hundert Jahren schon viele Exponate ausgestellt. Zukünftig, so das aktuelle Museumskonzept, sollen Besucher sich hier wieder mit der Rostocker Stadtgeschichte beschäftigen und die historische Kunstsammlung betrachten können.

Gut 40 Gemälde des 1959 in Erfurt geborenen Künstlers wurden in drei Räumen an die Wand gehängt. Die ältesten sind vor sechs Jahren entstanden. Sie zeigen Industriebrachen, verlassene Förderbänder und Silos in idyllischen Landschaften, Detailansichten von Motorblöcken. "Ich habe mich eine ganze Zeit mit den menschlichen Hinterlassenschaften beschäftigt. Dann kommt man automatisch auf den Auslöser", erklärt Horst Wagner.

Menschen sind das Hauptsujet des Malers. Er beobachtet sie auf öffentlichen Plätzen, Volksfesten und Jahrmärkten, fotografiert sie manchmal, fertigt Skizzen an und bringt sie auf die Leinwand, einzeln und in Gruppen.

Eine Entwicklung fällt dabei auf. Die älteren Bilder sind sehr farbenfroh. Die Menschen schauen freundlich und interessiert den Betrachter an. Ihre legere Kleidung und der Hintergrund mit den Bänken, Gewächsen, Gebäuden und Fahrrädern lassen auf eine entspannte Situation schließen. Im Laufe der Jahre verschwindet jedoch der Hintergrund. Unwesentliches muss weichen zugunsten höherer Symbolhaftigkeit der Darstellungen. Auch die Farblichkeit reduziert Horst Wagner. Grau dominiert. Schwarze Konturen umfassen karikaturhaft die rundlichen Bäuche und prallen Oberschenkel der gut genährten Mitglieder der Wohlstandsgesellschaft.

Nur noch schemenhaft sind die Gesichter der Porträtierten, verlieren ihre individuellen Züge. Ihr leerer, teils trauriger Blick ist abgewandt, selbst wenn er auf den Betrachter gerichtet ist. Einige lassen den Kopf erschöpft hängen.

Kein Mensch ist einem anderen zugewandt. Es gibt keine Berührung, nicht mal Augenkontakt untereinander. Jeder ist für sich allein, obwohl sie nebeneinandersitzen und in Gruppen laufen.

Neben den Menschen tauchen zwei Gegenstände trotz Reduktion immer wieder auf: der Einkaufsbeutel und die Flasche. Für diese Erkennungszeichen des Konsums greift Horst Wagner dann doch zu kräftigeren Farben. Deutlicher geht es nun nicht mehr: Der Mensch ist ein einsamer Konsumzombie.

"Ich sehe diese Verflachung als Problematik dieser Zeit. Es fehlen eigentlich die großen Visionen. Konsum und Wirtschaftswachstum – das kann doch nicht alles sein", fragt Horst Wagner und staunt mit, wie wenig sich die Menschen mitunter zufriedengeben.

Als Künstler möchte er für die Probleme keine Lösung geben, aber zum Reflektieren anregen, indem er seine Sichtweise mit malerischen Mitteln zum Ausdruck bringt.

 
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